Mittwoch, 23. Juli 2008

Anrede in Briefen

Sehr geehrter Herr Dr. Brinkmann,

ach, Moment. Wie geht es weiter? Noch immer gibt es Missverständnisse, wenn es darum geht, wie die Anrede eines Briefes auszusehen hat bzw. wie sie vom Rest desselben zu trennen ist. Diese Unsicherheit kommt nicht von ungefähr, gibt es doch durchaus verschiedene Arten damit umzugehen.

Am häufigsten findet man wohl die klassische Variante, bei der die Anrede durch ein Komma vom Inhalt getrennt wird:
Sehr geehrter Herr Müller-Schmidt,
anbei erhalten Sie...

Einig ist man sich hier oft nicht über die Kleinschreibung, die nach der Anrede folgt. Diese ist jedoch richtig und notwendig, da die vorangegangene Anrede nicht durch Punkt oder Ausrufezeichen beendet wird. Das Komma macht deutlich, dass noch etwas folgen wird; die Anrede scheint mit dem weiteren Text zu verschmelzen.

Statt des Kommas kann auch ein Ausrufezeichen gesetzt werden:
Sehr geehrte Frau Bergfels!
Anbei erhalten Sie...

Logisch ist nun, dass nach dem Ausrufezeichen der Anfang des nächsten Satzes großgeschrieben wird, da, wie eben erwähnt, die Anrede durch ein Ausrufezeichen vom weiteren Text getrennt wird.

Soweit scheint alles nachvollziehbar, doch der Duden wäre nicht der Duden, wenn er nicht noch eine Ausnahme zu bieten hätte:
Sehr geehrte Frau Siedenhof
Anbei erhalten Sie...

Diese auf den ersten Blick seltsam scheinende Form der Anrede ist in der Schweiz üblich. Weder Komma noch Ausrufezeichen sind hier nötig, um einen Brief korrekt zu beginnen.

Mit diesem Wissen in petto kann nun nichts mehr schiefgehen - selbst, wenn der Brief zu den Nachbarn in die Schweiz geht.